Die Lauchhammer Lulatsche

Trutzburg? Schornsteine? Silos? Was um alles in der Welt sind das für Klinkertürme, die da weithin sichtbar in Lauchhammer in der Landschaft stehen? Sie muten zwar mittelalterlich an, ihre Geschichte beginnt aber in den 1950er Jahren, mit dem Bau einer riesigen Kokereianlage.

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Dank des beharrlichen Einsatzes von Stadt, Vereinen und Denkmalschutz für deren Erhalt stehen sie noch und geben Auskunft über die Kokerei – der ersten ihrer Art weltweit. Hier wurde Braunkohle aus dem Lausitzer Kohlerevier zu Hochtemperaturkoks verarbeitet – hüttenfähiger Koks, mit dem Eisen geschmolzen werden kann. Bei der Produktion fiel phenolhaltiges Wasser an, das im sogenannten Turmtropfkörperverfahren mithilfe von Bakterien in den Biotürmen gereinigt wurde.

1991 wurde der Betrieb stillgelegt. Zum Leidwesen von 15.000 Arbeitern, die dort beschäftigt waren, zur Freude vieler, die jahrzehntelang mit fauligem Kokerei-Geruch und Staub leben mussten. Heute bedauert aber so mancher, dass nicht mehr von der industriellen Stadt übrig geblieben ist. Im direkten Umfeld wird seither das geometrische Raster der Kokerei durch Kreuze aus Beton dargestellt. Sie deuten an, dass die Biotürme mal Teil einer viel größeren Anlage waren.

An jedem Sonntag in der Saison zwischen 10 und 18 Uhr begleiten Zeitzeugen des Traditionsvereins Braunkohle ehrenamtlich Interessierte durch das Industriedenkmal. Sie berichten über die Arbeitsbedingungen in der DDR und den Verlust, den viele spürten, nachdem das Werk nach der Wende geschlossen wurde. Auf den extra eingebauten Treppen lassen sich die Türme erklimmen. Von zwei gläsernen Aussichtskanzeln haben die Besucher einen besonderen Blick auf die Türme und das ehemalige Kokereigelände.

Die Führungen sind gespickt mit kuriosen Anekdoten und persönlichen Erlebnissen. Das Verfahren, Bakterien zu Nützlingen zu erklären und mit Phenol zu füttern, war damals noch brandneu. Erfahrungen auf dem Gebiet gab es keine, und so tastete man sich heran. Den sogenannten Belebtschlamm, der dabei anfiel, bekamen die Schweine vorgesetzt, die sich daraufhin zwar prächtig entwickelten. Wenig später aber roch man den Braten, besser gesagt, das Bioturm-Aroma, auf dem Teller. Seitdem wurde der Schlamm nur noch zum Düngen eingesetzt. Solche Anekdoten erfährt nur, wer die Biotürme besucht.

Anreise

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Reiseauskunft

Besichtigungen und Führungen:

Karfreitag bis 31.Oktober:
Sonn- und feiertags
10 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung

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Kontakt

Traditionsverein Braunkohle
Lauchhammer e.V.
Tel: 0171 3562337
oder
Tel. 0172 4114214