Am Puls der Stadt


Die S-Bahn-Station Leipzig Markt

Beinahe geräuschlos kommt die S-Bahn im City-Tunnel zum Stehen. Ein helles Piepen, die Türen öffnen sich – und man betritt einen Raum, der eher einer Kathedrale denn einer Haltestelle gleicht. Beinahe 20 Meter hoch ist die unterirdische Halle, die durch eine Fassade aus Terrakottaplatten in warmes Licht gehüllt wird. Unweigerlich wandert der Blick nach oben. Dort, eine Rolltreppenfahrt entfernt, wartet das Herz von Leipzigs Altstadt darauf, entdeckt zu werden: der Marktplatz.

Das Eingangstor ins Herz von Leipzig

Seit etwas mehr als drei Jahren dient die S-Bahn-Station Leipzig Markt als Eingangstor ins Zentrum. Hier halten die Linien S 1, S 11, S 2, S 3, S 4, S 5 und S 5X der S-Bahn Mitteldeutschland direkt aus Halle, Zwickau, Altenburg, Dessau, Bitterfeld, Delitzsch, Borna, Wurzen und Eilenburg. Auf der Ebene zwischen Bahnsteig und Markt sorgt ein S-Punkt für Tickets, Kaffee, Lesestoff und vieles mehr.

Dabei entstand die S-Bahn-Station über einige Umwege. Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es die Idee, den Hauptbahnhof über eine Hochbahnstrecke mit dem Bayerischen Bahnhof im Süden der Stadt zu verbinden. Doch erst nach der Wende wurde das Projekt richtig vorangetrieben. Es entstand die heutige, über den Markt und den Wilhelm-Leuschner-Platz führende Strecke. Im Dezember 2013 folgte schließlich die feierliche Inbetriebnahme. Seither ist das neue Tor ins Leipziger Zentrum nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Dank der S-Bahn-Station „Markt“ sind Sehenswürdigkeiten wie das Alte Rathaus und die Thomaskirche ebenso wie die traditionsreichen Geschäfte der Innenstadt innerhalb von wenigen Schritten erreichbar.

Für nostalgische Genießer

Eine dieser traditionellen Leipziger Adressen ist direkt neben dem Alten Rathaus zu finden. Seit 1964 gibt es die „Milchbar Pinguin“, die bei vielen Leipzigern nostalgische Kindheitserinnerungen weckt. In liebevoll gestalteter Retro-Atmosphäre werden hier hausgemachtes Eis und lokale Speisen serviert. Der zentrale Freisitz für Genießer und Sonnenanbeter ist nun erheblich leichter zu erreichen. „Mit der S-Bahn haben wir die perfekte Anbindung“, meint etwa Milchbar-Kellnerin Christina. Und fügt an: „Man steigt aus und ist direkt am Markt. Hätten wir die Haltestelle nicht, müssten sowohl wir als auch unsere Gäste lange Wege laufen.“

Pflichttermin jeden Dienstag und Freitag: der Leipziger Wochenmarkt

Dass der Weg in die Innenstadt kürzer wurde, kommt auch den Händlern auf dem Leipziger Wochenmarkt zugute. Dienstags und freitags werden hier direkt über der Stationshalle regionale Produkte angeboten. Ob bunt blühende Schnittblumen, frisches Obst und Gemüse oder verlockend duftende Backwaren – der wuselige Wochenmarkt lockt ein breites Publikum an. Vor allem am Nachmittag, wenn die Menschen von der Arbeit kommen, herrscht Hochbetrieb. Blumenhändler Mathias Palke aus Halle mag den Trubel. „Bei uns läuft’s richtig rund, ich fahre sehr gerne nach Leipzig“, erzählt er. Palke schätzt auch die offene Atmosphäre der Stadt. „Wir werden hier gut angenommen. Mit der Uni gibt es ein jüngeres Publikum und dank des vielfältigen Angebotes und der unschlagbaren Preise auf dem Markt stehen die Menschen Schlange.“

Auf dem Wochenmarkt ist mit etwas Glück auch Torsten Hempel anzutreffen. In einer Nebengasse führt er als Mitinhaber mit dem „Max Enk“ eines der renommiertesten Restaurants der Stadt. „Wir treffen uns häufig früh auf dem Markt, um mit den Jungs hier einzukaufen“, sagt er. Und ist dankbar um die Vorzüge der Bahn. „Die neue S-Bahn-Haltestelle Markt bringt auf jeden Fall eine Belebung der Innenstadt.“ Ein Eindruck, der sich rund um den Markt bestätigt. In regelmäßigen Abständen erscheinen Menschen in kleinen und größeren Trauben aus den Tiefen der unterirdischen Station, flanieren zwischen den verführerischen Auslagen der Marktstände oder verschwinden mit vollen Taschen wieder im Untergrund, um den nächsten Zug zu erwischen. Nach einer über hundertjährigen Entstehungsgeschichte ist der City-Tunnel und mit ihm der direkte Zugang zum Markt, dem Herzen des historischen Zentrums, nicht mehr aus dem Alltagsleben der Leipziger wegzudenken. Was lange währt, wird manchmal eben doch gut. Oder sogar besser.